Mein Femdom-Weg (Teil 2)

Ihr Lieben, es geht weiter mit ein paar Einblicken in meinen persönlichen Femdom-Weg …

Im Nachtrag zu den Metamorphosen stieß ich auf einen wichtigen Punkt:

Wie kann ich gemein zu jemandem sein, den ich liebe (bzw. mag)?

Die Antwort ist sehr simpel: Es geht, aber es braucht Zeit. Ich gehe kleine Schritte. Aus einem Klaps werden zwei, aus denen wiederum Spanking mit dem Rohrstock wird. Aus einer kleineren Gemeinheit werden größere Gemeinheiten. Es muss sich entwickeln. Der eigene Stil muss sich entwickeln.

Mich hat das irritiert, weil ich zu Fremden (auf Partys) sehr schnell sehr gemein sein konnte. Doch BDSM hat eine Beziehungsebene. Es existiert (für mich) nicht im luftleeren Raum. Da ich kein Mensch bin, der gerne kleine Schritte geht, war dieser Brocken ziemlich groß … und nervig. Jaja, für Perfektionisten kann das sehr nervig sein.

Übrigens ist das – im Gegensatz zu Maledom-Konstellationen – ein Vorteil, denn viele FemSubs erwarten einen Mann, der bereits alles perfekt beherrscht. Da ging ein Schlag daneben und landete einen Millimeter in der Nierengegend? Dummdom! MaleSubs sind eher bereit, sich für „Experimente“ zur Verfügung zu stellen. („Ich habe ein neues Werkzeug, aber keine Ahnung, wie fest ich damit schlagen soll. Willst du mein Testobjekt sein?“ – „Oh ja bitte. Mach mit mir, was du willst.“) Das wiederum kollidiert öfters mit meinem Perfektionswahn. Ich frickel lieber tagelang mit Seilen an mir selbst oder der Schneiderpuppe herum, damit ich es perfekt beherrsche, wenn er vor mir steht.

Deshalb mein Appell an die Damen: Seid euch dieses Vorteils bewusst und nutzt ihn.

Den eigenen Stil finden … dazu gehörte für mich auch, dass ich meine Nicht-BDSM-Vorlieben nicht plötzlich ablege, nur weil ich eine Femdom bin. Blasen, passiver Analsex bzw. anale Stimulation, vaginale Penetration, Massagen, Tantra, Kuschelsex etc. sind geil für mich und werden es immer sein. Ein Mann, mit dem das nicht möglich ist, ist nicht kompatibel mit mir.

Ist doch selbstverständlich werdet ihr euch denken. Für mich war das anfangs nicht selbstverständlich, denn die Bilder und Pornos, die ich sah, hatten das nicht zum Thema. In der „harten“ Schule wird eine Femdom nicht gefickt. Einen Schwanz bläst sie schon dreimal nicht. Davon musste ich mich bewusst abgrenzen.

Ich liebe diese Bilder, weil ich auf ihnen oft Ideen und Settings entdecke, die ich ausprobieren will. Andererseits erzeugen Bilder immer Realitäten, obwohl das nicht ihr originärer Zweck ist. Außerdem orientieren sie sich oft sehr stark an männlichen Phantasien. Viele entstehen in professionellen Studios, in denen die Befriedigung der Frau nicht im Mittelpunkt steht. (Ein Unterschied zur FLR oder Femdom-Beziehung, in denen bewusst die Partnerin ins Zentrum gerückt wird.) Gerade Bilder zeigen nur eine Momentaufnahme. Ein Mann vor einen Karren gespannt, auf dem zwei Frauen sitzen – das ist weit weg von meinen Erlebnissen (und würde mir persönlich wenig bringen). Wenn jemand mit einer Kamera in meine Spielsituation kommen würde, würde er weit weniger beeindruckende Bilder produzieren. Was sich im Inneren abspielt, lässt sich eben nicht fotografieren. Daher lasst euch von diesen Aufnahmen nicht zu sehr beeinflussen.

Mit die größte Hemmschwelle ist für mich, konsequent das zu tun, worauf ich Lust habe. Damit meine ich diese nervige innere Stimme im Kopf, die mir nach fünf Minuten lecken einflüstert, es sei doch jetzt mal gut. Oder die mich nach zwei Orgasmen daran erinnert, dass er noch gar nicht gekommen ist. Ich weiß nicht, ob ich mich von dieser Konditionierung jemals ganz freimachen kann. Dazu sitzt sie wahrscheinlich zu tief. Im Mainstream bedienen Frauen ihre Männer sexuell. Fast jeder Porno läuft über diese Schiene. Es gibt kaum alternative Erzählungen. Und selbst wenn, steht doch der Mann irgendwie im Mittelpunkt. (Siehe dazu meine obigen Ausführungen über Femdom-Kunst.) Authentische, weiblich-dominante Lust ist ein blinder Fleck auf unserer Sex-Landkarte. Das Blöde dabei: Wie findet man als Frau einen blinden Fleck? Wie findet man Ausdrucksformen für etwas, das überhaupt nicht zu existieren scheint?

Für dominante Männer gibt es viele (Rollen-) Vorbilder. Für dominante Frauen hat die Gesellschaft abseits des Domina-Geschäfts kaum etwas parat, weshalb ich mich manchmal fühle wie Christoph Kolumbus. Der eigentlich nach Indien wollte – wohlgemerkt!

Um noch eins draufzusetzen: Das betrifft submissive Männer genauso. Auch da mangelt es uns an Ausdrucksformen. Wobei es MaleSubs von „beiden Seiten“ abbekommen: In der breiten Masse haben sowohl Männer als auch Frauen große Schwierigkeiten mit männlicher Devotion – so ist zumindest mein Eindruck.

Das führte dazu, dass mir bis vor kurzem gar nicht bewusst war, wie viele Männer diese Neigung in sich tragen. Selbst diejenigen, die auf ihrem Joyclub-Profil „dominant“ stehen haben, flüsterten mir hinter vorgehaltener Hand zu, wie gerne sie von einer Frau dominiert werden wollen. Ich kann nur versuchen, mich in die Lage submissiver Männer zu versetzen, aber ich denke, es ist alles andere als leicht.

Das ist im Übrigen etwas, das der (feministische) Mainstream gerne ausklammert: wie problembehaftet der Umgang mit männlicher Sexualität generell ist bzw. welcher Leidensdruck bei der Partnersuche dadurch entsteht.

(Der Vollständigkeit halber: Natürlich ist weibliche Sexualität ebenfalls mit spezifischen Problemen behaftet. Aber auf der Einzelebene haben Frauen meinem Empfinden nach jedoch keine Probleme, wenn sie sexuell experimentieren wollen – ganz egal, welche Neigung(en) sie in sich tragen. Sie finden Partner und müssen kein Geld dafür aufwenden. Gesellschaftlich werden sie natürlich weiterhin als Schlampen geächtet. In der individuellen Begegnung habe ich solche Zuschreibungen jedoch nie erlebt. Im Gegenteil: Männer sind sehr dankbar, wenn sie eine Partnerin für ihre Abenteuer finden und wenn sie spüren, dass man sie in ihrer Sexualität ganzheitlich wahrnimmt.)

Ich habe Männer erlebt, die seit 15 Jahren submissiv lebten, BDSM-Partys besuchten und deren engster Freund nichts davon wusste. „Oh nein, das würde ich ihm niemals sagen. Der würde mich nicht mehr ernst nehmen.“

Sexuelle Passivität ist für Männer nicht vorgesehen und doch gibt es viele, die sich sehr danach sehnen. Es dauerte, bis ich die Ausmaße dieser Gegebenheit begriff, aber mittlerweile sehe ich die Welt mit anderen Augen. Das Bedürfnis, sich in der Sexualität fallen lassen zu wollen, ist nichts genuin weibliches. Wir hören das nur dauernd von den Frauen, weil die Männer aus Angst vor Ächtung lieber die Klappe halten. (An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass Femdom sein und sich fallen lassen nicht ausschließen.)

Wenn ich „sexuelle Passivität“ schreibe, meine ich gar nicht mal BDSM. Das reicht von (eher) passiven Praktiken wie Rimming oder Analsex bis zu dem Wunsch, an eine Frau zu geraten, die sich sexuell nimmt, was sie braucht.

Das hat meinen Blick sehr verändert und mich in dem bestärkt, was ich tue.

Kommen wir zu etwas, das ich anfangs als die größte Herausforderung empfand: technische Souveränität.

Oder einfacher ausgedrückt: Wie gestaltet man eine Session? Wie fügt man Schmerzen zu? Wie benutzt man dieses oder jenes Instrument?

Mein Art für Frauen: Legt eure Hemmungen ab. Es ist nur ein Flogger. Es ist nur ein Rohrstock. Es ist nur ein Dilator. Ihr müsst keine komplizierte Gehirnoperation durchführen. Sicherlich gibt es einiges zu beachten, aber hey … am Ende geht es um den erotischen Kitzel. Gerade weil die Maledoms in der Szene und in Foren stark überrepräsentiert sind, driften Gespräche oft in kleinteilige Technik-Diskussionen ab.

In welchem Winkel muss nun der Rohrstock (regelmäßig und nach Anleitung XY gewässert) mit welcher Geschwindigkeit auf welches Körperteil treffen? Du machst das anders? Schande über dich!

Unter uns: Das ist männliches Gehabe, von dem man sich nicht beeinflussen lassen darf. (Mal abgesehen davon, dass viele ihre tollen Versprechungen in der Spielsituation gar nicht halten können.) Lest ein oder zwei gute Bücher, in dem verschiedene Techniken und Schlaginstrumente vorgestellt werden und informiert euch über gesundheitliche Fallstricke. Und ich garantiere euch: Eure ersten Schläge werden eh zu soft sein. Es dauert, bis ein ein (gesunder) Mensch kaputt geht und bis ihr irreparable Schäden hinterlasst.

Am Ende zählt nicht die korrekte Wässerung des Rohrstocks bei Vollmond, sondern ob es mir und meinem Partner Spaß macht. Ich habe meinen Stil entwickelt und die Instrumente gefunden, mit denen ich gerne quäle. Mir ist das selige Lächeln meines Partners mehr wert, als die Hinweise von anderen, dass dieser Flogger ja überhaupt nicht zum Aufwärmen geeignet sei. (Trotzdem: aufwärmen = wichtig. Ihr wisst, worauf ich hinaus will.)

Mit wachsendem Selbstvertrauen kommen die Ideen fast von ganz alleine. Manchmal erlebe ich mich, wie ich ein sehr konkretes Setting vor Augen habe. Manchmal gehe ich spontanen Impulsen nach. Ich mag die Kreativität, die sich nach und nach entwickelt.

Die Sprachlosigkeit auflösen – das war das hoch gesteckte Ziel dieses Beitrags. Zumindest habe ich viel geschrieben und ich hoffe, ihr konntet ein bisschen was mitnehmen. Wenn ihr Input habt oder etwas über euren Weg sagen wollt, schreibt es gerne in die Kommentare.

3 Kommentare

  1. transomat sagt:

    Welch ein Glück haben diejenigen die Dir begegnen. Du bist die Domina von der man wirklich nur träumen kann. Ich hatte so ein Glück leider nur einmal in meinem Leben. das war aber auch nicht privat sondern professionell.
    In der „harten Schule“ nennt man die berührbaren und trotzdem dominanten Damen, glaube ich, Bizarr-Lady. es gibt sie, allerdings sehr selten.
    Danke Marie für Deine Ausführungen.

  2. Anna sagt:

    Danke für die Inspiration. Chapó

  3. micky sagt:

    Ich bin sprachlos ! ! ! ! ! !
    Ich danke der Verfasserin für diesen ehrlichen und offenen Beitrag zu Beziehung von Mann und Frau!
    Kann es sein: Ich wurde als Knabe dazu erzogen, zu kochen, zu waschen, zu bügeln, zu nähen, zu putzen…. Vor mir gab es bereits zwei männliche Nachkommen. Mein Mutter wollte ein Mädel und hat mich dementsprechend erzogen. Nein, kein Rock usw. aber der Mutter an die Hand gehen.
    Denke ich darum heute wie eine Frau? Ich fühle mich beim lesen dieses Textes auf der Seite der Frau! Warum! Ist es immer so, der Mann sagt was er will, und die Frau macht ihm das Vergnügen. Sogar bei der Domina lässt sich ein Mann schlagen, aber bitte nur so, wie er das will!
    Ich fühle ein persönliches Verlangen, mich einer offenen, ehrlichen und aufrichtigen HERRIN zu unterwerfen. Ist das nun falsch?

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