Dilator

Dilatoren – eine Anleitung

Es gibt wenige Themen, zu denen mich so viele Fragen erreichen, wie zum Spiel mit Dilatoren. In diesem Beitrag bringe ich euch näher, welche Möglichkeiten ihr damit habt und wie ihr sicher und hygienisch spielt.

Was sind Dilatoren?

Dilatoren stammen ursprünglich aus dem medizinischen Bereich und sind zur Dehnung der Harnröhre gedacht. Jedoch lassen sie sich auch ganz ohne medizinische Indikation für kreative BDSM-Spiele benutzen. Da die Harnröhre eine erogene Zone ist, kann eine Stimulation in diesem Bereich sehr lustvoll sein. Außerdem sorgt es für einen speziellen Kick im Kopf, wenn diese Körperöffnung penetriert wird. Wie ihr eurer Session damit das gewisse Extra verleiht, erkläre ich weiter unten. Zunächst schauen wir uns an, auf was ihr beim Kauf und den Vorbereitungen achten solltet.

Es gibt unterschiedliche Dilatoren, von denen ich euch zwei vorstelle:


Dilatoren nach Haegar

Haegar Dilator Set

Diese Dilatoren sind leicht gebogene Stifte aus Metall, die im abgebildeten Set in unterschiedlichen Durchmessern geliefert werden (3 bis 18 mm). Jeder Stift hat eine dickere und eine dünnere Hälfte.


Dilatoren nach Bakes

Bakes Dilator Set


Diese Dilatoren haben lediglich am Ende eine tropfenförmige Verdickung und sind etwas länger als die Haegar-Stifte. Der Mittelteil ist biegsam.


Als Material eignet sich am besten rostfreier Stahl oder – wer es noch hochwertiger mag – rostfreier Edelstahl. Die Dilatoren werden feucht und daher ist es wichtig, dass sie nicht oxidieren. Einsteigern empfehle ich die Haegar-Stifte, da diese in meinen Augen das geringste Verletzungsrisiko haben und in der Handhabung sehr einfach sind.

Neben Dilatoren aus Metall gibt es noch welche aus Silikon, mit denen ich jedoch nicht arbeite. Warum? Die Stifte gleiten meiner Erfahrung nach nicht so gut wie Metall. Man muss mehr nachhelfen. Außerdem ist es mir bereits zweimal passiert, dass ein Sub nach der Anwendung Schmerzen beim Wasserlassen hatte. (Ein leichtes Kribbeln beim ersten Urinieren ist normal.)

Die Vorbereitungen

Für die Vorbereitung am wichtigsten: Hygiene, Hygiene, Hygiene. Bakterien in der Harnröhre sind nicht schön und deshalb dient eure Vorbereitung vor allem dazu, eine möglichst keimarme Umgebung herzustellen.

Entweder kocht ihr die Dilatoren für 3 bis 5 Minuten aus oder behandelt sie mit einem schnell wirksamen Desinfektionsmittel. Ich verwende Meliseptol rapid. (Bitte die Einwirkzeit beachten.) Von Toy Cleanern und ähnlichem rate ich ausdrücklich ab. Der Medizinbedarf hält genügend Mittel bereit, die für genau diesen Zweck gedacht sind.

Um die Schleimhäute zu desinfizieren, eignet sich Octenisept. Das sprüht ihr direkt auf die Eichel. Keine Angst: Es brennt nicht.

Für die Handdesinfektion empfehle ich Sterilium. Ob ihr zusätzlich Einmal-Handschuhe nehmen wollt, ist Geschmackssache.

Bitte verwendet kein handelsübliches Gleitgel aus der Tube, sondern Spritzen mit sterilem Katheter-Gleitgel. Beispielsweise Endosgel oder Instillagel (welches zusätzlich ein Lokalanästhetikum enthält). Mit der PZN lässt sich das in jeder Apotheke bestellen. Die Handhabung der Spritze ist manchmal etwas frickelig und das Gel spritzt zu schnell raus. Um Gel auf der Harnröhre aufzutragen, müsste ihr die Spritze nicht einführen. Es reicht aus, wenn ihr ein paar Tropfen auf die Harnröhrenöffnung gebt.

Als Unterlage verwende ich eine frische Wickelunterlage. Darauf platziere ich eine Box mit Kleenex und zwei Nierenschalen. Eine davon behandle ich vorher mit Meliseptol, damit ich dort meine Dilatoren und die (ausgepackte!) Gleitgel-Spritze hinlegen kann. Die andere dient als Sammelplatz für benutzte Dilatoren, Tücher etc.

Das Einführen des Dilators

Wenn ihr alles vorbereitet habt, geht es ans Eingemachte. Die meisten von euch werden großen Respekt vor dieser Spielart haben und vielleicht sogar Angst davor, etwas kaputt zu machen. Ich halte eine gesunde Form von Respekt für sehr wichtig, allerdings ist die Verletzungsgefahr in meinen Augen deutlich geringer als bei vielen anderen herkömmlichen SM-Praktiken. Zumal die Harnröhrenstimulation nicht schmerzhaft ist. Das Gefühl ist für viele Neulinge extrem ungewohnt, von Schmerzen hat mir bisher keiner berichtet. Daher kann ich euch nur ermutigen, euch zu trauen.

Wer nicht gerade auf Klinik-Szenarien steht, der wird beim Anblick des medizinisch anmutenden Umfelds nicht sofort eine Erektion bekommen. Kaltes Desinfektions- und Gleitmittel sind ebenfalls nicht förderlich. Dazu kommen unter Umständen Angst und innere Anspannung. Ich ermutige meine Partner immer dazu, ruhig und tief zu atmen. Einsteigern empfehle ich eine liegende Position.

Der Erektionszustand des Penis ist für das Einführen des Dilators nicht ausschlaggebend. Für mich geht es am leichtesten mit einem »Halbsteifen«, da hierbei die Vorhaut von alleine hinter den Eichelkranz rutscht. Ist der Penis schlaff, müsst ihr diese zurückziehen und ggf. festhalten. Das kommt auf die individuelle Anatomie und die Penisgröße an. Beachtet, dass sich die Harnröhre mit zunehmender Erektion auch in die Länge zieht.

Für den Anfang eignen sich Durchmesser von 5 bis 7 mm. Im o. a. Set ist das der zweite Stift beidseitig und der dritte Stift einseitig. Die kleineren Durchmesser können etwas pieksig werden. Am Ende bleibt es jedoch Geschmackssache. Ich verwende den kleinsten Stift nie.

Wenn das Gleitgel (auf die Harnröhre und den Stift) aufgetragen ist und ihr den Dilator an der Harnröhrenöffnung ansetzt, gleitet er zunächst ein gutes Stück von ganz alleine rein. Ihr müsst keinen Druck ausüben. Wichtig ist nur, dass ihr den Dilator gut festhaltet, denn manchmal macht er sich selbstständig und ist dann plötzlich weg. Die Harnröhre macht irgendwann einen Knick. Wenn ihr den Dilator tiefer einführen wollt, müsst ihr den Winkel etwas verändern und den Stift tendenziell etwas weiter nach unten und zu euch bewegen. Hier braucht es leichten (!) Druck, aber bitte nicht stopfen! Bleibt in Kommunikation mit eurem Partner und sprecht mit ihm, bis zu welcher Tiefe es sich gut anfühlt. Auch ein paar Zentimeter reichen für ein stimulierendes Spiel völlig aus. Wenn der Mann eine Erektion entwickelt, während sich der Dilator in ihm befindet, drücken die vergrößerten Schwellkörper den Stift etwas raus.

Harnröhre und Prostata

Grafik: Männliche Geschlechtsorgane, Seitansicht - wie im Text beschrieben

Es ist (theoretisch) möglich, mit einem langen Dilator die Prostata zu stimulieren. Meiner Erfahrung nach reichen die Haegar-Stifte hierfür nicht aus. Bakes eignen sich aufgrund ihrer Länge besser. In Kombination mit einem Analplug oder einem Finger an der Prostata ergibt sich eine sehr intensive Stimulation.

(Die Prostata erreicht ihr, wenn ihr einen Finger anal einführt. Nachdem ihr zwei ringförmige Verengungen passiert habt – den inneren und den äußeren Schließmuskel – fühlt ihr einen kastaniengroßen Knubbel in Richtung Bauchdecke. Das ist die Prostata. Ich muss meinen Mittelfinger circa bis zum zweiten Gelenk einführen, um den unteren Teil davon zu erreichen.)

Das Spiel mit dem Dilator

Sobald der Dilator eingeführt ist, könnt ihr euch überlegen, wie ihr weiterspielen möchtet. Ein paar Ideen:

  • Ihr könnt den Schwanz parallel wichsen, die Hoden massieren, lecken usw. – wie bei einem normalen Handjob. Eine gezielte Stimulation des Frenulums – das ist das Bändchen, das Eichel und Vorhaut zusammenhält – haben meine Partner immer als besonders erregend empfunden. Dazu nehmt ihr das Bändchen zwischen Daumen und Zeigefinger und massiert es.
  • Ihr könnt euren Partner parallel anal stimulieren. Bitte dabei besonders darauf achten, dass nichts, was am Anus war, an/in die Harnröhre gelangt.
  • Dilatorspiele lassen sich auch in der Position 69 einbinden.
  • Ihr könnt ihn mit dem Dilator ficken. Für manche entsteht genau da der Kick im Kopf. Ein bisschen Dirty Talk dazu und die Dreiloch-Phantasie wird schneller Realität, als er dachte.
  • Mit einem Vibrator oder einem Magic Wand lässt sich Vibration auf den Dilator übertragen. Entweder setzt ihr das Toy oben an der Spitze des Stifts an oder ihr gleitet mit ihm über die Unterseite des Penis, wo ihr der Harnröhre am nächsten seid. Die Wellen verteilen sich mit dieser Technik sehr tief in die gesamten Schwellkörper, die Harnröhre und Richtung Prostata.
  • Fortgeschrittene können Dilatorspiele mit Fixierung oder Mumifizierung kombinieren. Der Mann kann sich nicht mehr wehren und ist eurem Spiel völlig ausgeliefert. Eine Augenbinde sorgt für zusätzlichen Kontrollverlust.
  • Ebenfalls für Fortgeschrittene: Dilatoren, die sich an ein Stromgerät (Mystim o. ä.) anschließen lassen.

Ich empfehle, den Dilator vor der Ejakulation zu entfernen, da sonst Samenflüssigkeit in die Blase fließen kann. Nach dem Spiel ist es wichtig, dass der Mann pinkeln geht. Das Gleitgel wird ausgespült, Keime können sich nicht gut festsetzen. Ein leichtes Kribbeln ist dabei wie gesagt völlig normal. Sollte es bei den Toilettengängen danach stark brennen oder bluten, sucht bitte einen Arzt auf.

Die Dilatoren lassen sich ganz einfach mit Seife reinigen. Manche kochen sie nach der Benutzung direkt nochmal aus. Ich lagere meine gereinigt im Lederetui bis zum nächsten Spiel und koche sie nur direkt davor aus.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren. Trotz der vielen ungewohnten Vorbereitungen: Vergesst nicht, in Kommunikation mit eurem Partner zu bleiben! BDSM ist ein Gemeinschaftsprojekt und wenn es beim ersten Mal nicht klappt, macht ihr euch anderweitig eine schöne, intime Zeit. Und wenn ihr Fragen habt, schreibt mir gerne eine Nachricht.


Bildquellen:

Haegar-Stifte: Amazon
Bakes: Amazon
Anatomie Penis: Gesundheitsinformation

Wenn ihr Dilatoren kaufen möchtet, empfehle ich euch wie bei allen Toys und BDSM-Zubehör Baumwollseil.

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