Mein Femdom-Weg (Teil 1)

Wenn man neue Wege beschreitet, muss man sich unweigerlich mit Fragen auseinandersetzen. So geht es mir, seit ich BDSM als Femdom praktiziere. Ich stieß auf Glaubenssätze, die ich über Bord werfen musste, und auf Herausforderungen, die ich teilweise noch nicht gelöst habe.

Christian Grey – selbst wenn er nicht als sonderlich gutes Vorbild für Maledoms taugt – hat dafür gesorgt, dass die Konstellation männliche Dominanz/weibliche Submission zu einem Archetyp wurde. (Über die Zeit vor dem Erscheinen des Buchs kann ich wenig sagen, da ich mich damals außerhalb meiner Spielbeziehungen nicht so umfassend mit BDSM auseinander gesetzt habe, wie ich es heute tue.)

Für weibliche Dominanz fehlt uns so ein Archetyp. Es gibt eine große Anzahl professioneller Dominas, aber im privaten Bereich und in privaten Beziehungen – wie sieht es da aus?

BDSM-ler wehren sich (zu Recht dagegen), dass es sich bei „Fifty Shades of Grey“ um geeignete Literatur handelt. Zu häufig handelt Christian gegen in der Szene etablierte Kodes und Regeln. Trotzdem hat das Buch in meinen Augen dafür gesorgt, dass Maledom/Femsub überbetont wird. In der Wahrnehmung des Mainstream ist genau das BDSM und gegen diese Auffassung ist auch die Szene nicht ganz immun.

Im angloamerikanischen Raum sieht das etwas anders aus. Alle FLR/Femdom-Accounts, die ich bei Twitter abonniert habe, stammen aus den USA oder UK.

Sicherlich könnte man an dieser Stelle anführen, sexuelle Vorlieben seien etwas, das im Inneren entsteht und nichts mit den äußeren Bedingungen zu tun hat. Diese Auffassung teile ich nicht. Es gab zwar immer Ahnungen in mir, aber diese wurde erst greif- und erlebbar, als ich mit anderen in den Dialog trat, Bilder dazu sah und Bücher darüber las. Ohne diese äußeren Einflussquellen wäre ich nicht da, wo ich heute bin.

Femdom nimmt dabei einen speziellen Platz ein, gerade weil es dazu kaum einen Dialog gibt. Mit einer submissiven Frau können alle einigermaßen was anfangen – selbst Vanillas. (Denn wir Mädels stehen insgeheim alle auf harte Typen, nicht wahr? *zwinker zwinker*) Eine dominante Frau dagegen … puh … Sprachlosigkeit. Indem ich auf diesem Blog öffentlich darüber schreibe, möchte ich genau diese Sprachlosigkeit auflösen und der dominanten Frau zu einer Form verhelfen. Das geschieht durch das Reflektieren meines eigenen Tuns und meiner eigenen Denkweisen. Es muss nicht stellvertretend für alle Femdoms to be gelten. Wenn ich einigen Frauen (und Männern) zu etwas mehr Klarheit verhelfe, ist meine Mission schon erfolgreich.

Mein erster Schritt lag darin, zu erkennen, welche Art von Dominanz ich leben will und welche Art der Unterwürfigkeit ich mir von einem Partner wünsche. (Das ist ein Prozess. Meine Antwort, die ich im Folgenden gebe, mag in einigen Monaten oder Jahren anders ausfallen.)

Der Mittelpunkt meines BDSM ist, sich gegenseitig Lust zu bereiten. Das ist mir wichtiger, als ein bestimmtes Programm durchzuziehen oder mein Gegenüber zu etwas zu formen, das nicht seinem grundsätzlichen Typ entspricht. Ich habe einige Kinks, auf die ich nicht verzichten will. Ich werde jedoch nie so hart sein und diese Dinge durchziehen, ohne dass sie meinem Partner ebenfalls Lust bereiten. Für manche beginnt ab diesem Punkt (gegen den Willen etwas tun) erst die wahre Submission. Für mich beginnt da bereits eine schwammige Form des Missbrauchs. Auf dieses Parkett werde ich mich nicht begeben, selbst wenn das das Aus für eine Beziehung bedeutet. Ich fordere Dinge ein, die nicht angenehm sind. Sobald es über unangenehm hinausgeht und der einzige Zweck darin liegt, den Willen einer Person zu brechen, bin ich raus. Consensual – das ist meine wichtigste Grenze.

Als Sub wurde ich nicht selten genau damit konfrontiert. Ich erlebte Männer, die erst zufrieden waren, wenn ich etwas tat, was mir zutiefst widerstrebte oder teilweise als explizites Limit von mir genannt wurde. Ich will das nicht verteufeln. Nur liegt mir diese Form des Sadismus’ überhaupt nicht.

Andere Formen dagegen schon, wie ich feststellen musste. Zunächst hatte Schlagen eher etwas von Sensation Seeking. Es fühlte sich gut an. So wie sich ein Cashmere-Schal gut anfühlt. Als das erste Mal sexuelle Erregung dazu kam, war ich ehrlich gesagt etwas erstaunt. Ich meine, Sadismus ist nun nichts, mit dem man hausieren geht. Hey, ich hatte gestern meinen ersten vaginalen Orgasmus. – Toll, ich bin gestern das erste Mal beim Schlagen nass geworden. Aber was soll ich sagen? Ich habe verrücktere Vorlieben.

Das ist die Dominanz, innerhalb der ich mich bewege. BDSM ist dazu da, um mir und meinem Partner Spaß zu bereiten und eine sehr spezielle Form des intimen Austauschs zu praktizieren. Es ist ein Spiel, aus dem jederzeit ausgestiegen werden kann. Natürlich beeinflusst ein sexuelles Machtgefälle in der Regel das Machtgefälle innerhalb der Beziehung. Trotzdem gibt es bei einem Sub genügend Bereiche für mich, in die ich niemals eingreifen werde.

Ich könnte das. Es würde mir womöglich sogar Lust verschaffen. Aber ich habe mich bewusst dagegen entschieden, weil ich der Überzeugung bin, dass hundertprozentige Hingabe Auswirkungen auf die psychische Gesundheit eines Menschen hat. Ich sehe solche Konstellationen vereinzelt und vielleicht mache ich mir keine Freunde mit meinen hier getroffenen Aussagen. Wenn ich mit Begriffen wie „Hörigkeit“ oder „Willenlosigkeit“ konfrontiert werde, bin ich raus. Ich habe Interesse daran, dass mein Partner – sollte es zu einer Trennung kommen – nicht mit den Scherben seiner eigenen Selbstaufgabe konfrontiert ist. Diese Scherben will man nicht wegfegen müssen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Trennungen sind schlimm genug. Bei Trennungen im BDSM-Bereich kommt die Komponente hinzu, dass sich der submissive Part womöglich so sehr aus den Augen verloren hat, dass er desorientiert und völlig kaputt zurückbleibt.

Ich halte, ich fange auf, ich bin eine gefestigte Person. Gerade deshalb habe ich ein Interesse daran, ebenfalls mit gefestigten Personen zu spielen. Zeitweise Allmachtsphantasien gehören im Rausch einer Session dazu. Doch darüber hinaus hege ich keine Wünsche dieser Art.

Wie sehen die Details dieses groben Rahmens aus, innerhalb dessen mein Spiel stattfindet?

Diese und andere Fragen beantworte ich im zweiten Teil.

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4 Kommentare

  1. transomat sagt:

    Du bist einfach wunderbar Marie.

  2. P sagt:

    Hallo Marie,
    ich höre auch euren Blog und finde deinen Artikel von heute als sehr tiefgehend und aufschlussreich.
    Sicherlich auch deswegen, weil ich mich darin als Maledom auch wiederfinde und deinen Grund mit meinem identifizieren kann, warum ich schlage oder dominiere…

    Danke dir – immer wieder interessant

    1. Ich danke dir!

  3. micky sagt:

    Super, Super, Super!
    Auch wenn ich als vehementer Verehrer der weiblichen Dominanz nicht überall einverstanden bin, so schreibt hier eine FEMDOM-LADY wahre Worte.
    Vielleicht zwei Punkte, welche mir zu viel Spielraum offen lassen.
    Unterwerfung ist nicht einfach ein Spiel, das sollte eine Lebensauffassung und eine Berufung sein. Ansonsten ist die Beziehung auf wackeligen Beinen.
    Eine HERRIN soll auch mal ganz bewusst die Grenzen überschreiten. Es darf nicht einfach ein Spiel sein! Eine echte FLR darf durchaus an der Einstellung des Subs etwas in Bewegung bringen und nachhaltige Veränderungen bewirken.
    Unter dem Strich heißt das, nicht nur bestrafen, sondern auch mal belohnen.
    Danke für den tollen Beitrag.
    Ein verehrer der weiblichen Dominanz.

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