Der gute Dom – mehr Fragen als Antworten

Eine der häufigsten Fragen, die ich von BDSM-Einsteigerinnen gestellt bekomme, lautet: Wie finde ich einen guten Dom? Woran erkenne ich ihn?

Im Folgenden werde ich versuchen, einige Denkanstöße dazu zu geben, denn „gut“ ist immer relativ. Ich schreibe explizit für weibliche Subs, die einen männlichen Dom suchen. Auf andere Konstellationen gehe ich gerne wann anders ein – falls das gewünscht wird. Ich formuliere meine Punkte absichtlich vorrangig in Frageform. Denn auf vieles gibt es keine eindeutigen Antworten bzw. ihr müsst die Antwort finden, mit der ihr euch wohlfühlt.

Sicherheit

Wie geht ein Dom mit dem Thema Safer Sex um? Lässt er sich regelmäßig testen? Nutzt er Kondome (auch für Spielzeuge)? Wie reinigt er seine Spiel- und Werkzeuge? Nutzt er seine Instrumente noch für andere Subs? Falls ja, wie stellt er die Hygiene sicher?

Covern

Wie reagiert er, wenn du ihm sagst, dass du dich covern lässt? Gibt er dir ohne zu Zögern seinen Klarnamen und seine Adresse, falls ihr bei ihm spielt?

Treffpunkt

Ist er mit einem Treffpunkt einverstanden, mit dem du dich sicher fühlst, oder dirigiert er dich an einen Ort, der dir nicht behagt? Hast du das Gefühl, er möchte nicht mit dir gesehen werden? Macht er sich Gedanken darüber, wie du im Anschluss (sicher) nach Hause kommst?

Safeword

Fordert er von dir proaktiv ein Safeword? Denkt er über non-verbale Alternativen nach, wenn du bspw. geknebelt bist und nicht sprechen kannst? Musst du dein Safeword verteidigen?

Es gibt BDSM-ler, die ohne Safeword spielen. Wer das von einer Anfängerin in der ersten gemeinsame Session verlangt, disqualifiziert sich in meinen Augen. Andere mögen das anders sehen. Ich sehe das sehr klar.

Limits

Akzeptiert er deine Hard Limits vorbehaltlos oder diskutiert er sie? Hat er selbst Limits, über die er mit dir spricht? Hast du vor einer Session das Gefühl, dass er deine Limits verinnerlicht hat?

Lust und Vergnügen

Wie wichtig ist ihm dein Orgasmus? Fragt er dich, wie du am besten kommst? Fragt er dich, wie/wo du gerne berührt wirst und was du erregend findest? Wie wichtig ist ihm sein Orgasmus? Welche Rolle spielt Penetration bei einer Session?

Referenzen

Wenn du ihn nach Referenzen fragst bzw. nach Subs, mit denen er bereits gespielt hat: Wie reagiert er? Gibt er dir Namen, bei denen du nachfragen kannst? Falls er sich in der Szene bewegt: Wie ist sein Ruf? Wie bewegt er sich dort?

Deine Beweggründe

Fühlst du dich zu irgendeinem Zeitpunkt gedrängt? Fühlst du dich verstanden oder winkt er mögliche Bedenken von dir ab? Hast du das Gefühl, du enttäuschst ihn persönlich, wenn du seine Anforderungen nicht erfüllst? Ist BDSM ein Spiel für dich oder etwas, das auch deinen Alltag prägen soll?

Im Spiel

Kommuniziert er mit dir? Geht er mit dir in einen Dialog?

Damit meine ich, dass es gerade am Anfang wichtig ist, sich zu „kalibrieren“. Wenn er dich schlägt, kann er bspw. nachfragen, wie hart du die Schläge empfindest (von 1 bis 10 auf einer Skala).

Prüft er zwischendurch, ob es dir körperlich gut geht?

Wenn du gefesselt bist, sollte er regelmäßig prüfen, ob abgebundene/fixierte Körperteile kalt oder blau werden. Wenn du viel schwitzt, ist ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig. Wenn du länger kniest, sind Kissen eine Möglichkeit, das angenehmer zu gestalten. Darunter fällt in meinen Augen auch, zu schauen, ob du ausreichend feucht bist, wenn er dich penetriert. Bei Bedarf sollte er Gleitgel zur Hand haben.

Nach dem Spiel

Wie sieht da der Dialog für ihn aus?

Fragen, die nach einer Session interessant sein könnten: Wie geht es dir? Wie fühlst du dich? Gab es etwas, das dir besonders gefallen hat oder etwas, das ich auf keinen Fall wieder machen soll? Wie tief konntest du dich fallenlassen? Wie hast du die Schmerzen erlebt? Welche Arten von Schmerzen haben dir am besten geholfen, in deine Lust zu kommen? Welche nicht? Warst du mal kurz davor, dein Safe- oder Slowword zu nutzen oder können wir das nächste Mal deutlich weiter gehen?

Kümmert er sich um dich? Fragt er dich, ob du etwas brauchst (Getränk, Decke, Dusche etc.)? Schaut er sich die Spuren an, die er hinterlassen hat?


Wie ihr seht, gibt es wenige objektive Kriterien, anhand derer man die Dom-Tauglichkeit messen kann. Im technischen Bereich gibt es einige Basics. Doch selbst ein Dom, dessen angewandte Techniken auf dem Papier einwandfrei sind, wird euch nicht den Kick geben, wenn es auf anderen Ebenen nicht stimmt.

Eine Falle, in die Anfängerinnen sehr häufig tappen: Sie sehnen sich nach diesem undefinierten Feld voll Lust und Schmerz und wollen „es“ endlich mal erleben. Dabei lassen sie ihre Bedenken in den Hintergrund rücken und stehen irgendwann vor einem halbgaren Kompromiss. Ich sage nicht, dass man keine Kompromisse eingehen sollte. Es sollten jedoch Kompromisse sein, mit denen man auch nach der Session noch leben kann. Wenn es ein oder zwei abweichende Kinks gibt – so what? Wenn ihr euch nach entspanntem Fesseln sehnt, der Dom seinen absoluten Kick aus Analfisting zieht – wollt ihr euch so verbiegen? Gerade wenn ihr für euch klare Limits habt und genau diese Dinge für einen Dom unverzichtbar sind, werdet ihr mit großer Wahrscheinlichkeit nicht den Spaß haben, den ihr euch erhofft.

Nur weil ihr Sub/Sklavin/Bottom/whatever seid, heißt das nicht, dass euch kein Nein mehr zusteht oder dass ihr kein Mitspracherecht beim gemeinsamen Spielen habt. Aus meiner bisherigen Erfahrung als Femdom kann ich nur sagen: Ich freue mich, wenn mein (Spiel-)Partner seine Ideen einbringt und etwas vorschlägt, was er gerne ausprobieren würde oder unbedingt wieder erleben will. Da es unendlich viele Szenarien und Praktiken gibt, bin ich immer dankbar für Input.

Es ist nicht leicht, zu wissen, was man will, wenn man sich bisher nie auf dieses Parkett begeben hat. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es da draußen Männer gibt, die euch mit der richtigen Portion Führung begleiten und euch an einen Punkt bringen, an dem euch klarer wird, wie ihr es gerne hättet.

An dieser Stelle bringe ich gerne noch meinen Standardratschlag an, den diejenigen von euch, mit denen ich mich über Nachrichten austausche, vielleicht schon nicht mehr hören können: Holt euch unterschiedliche Meinungen ein. Das, was ich hier schreibe, ist meine persönliche Perspektive. Es gibt da draußen viele weitere Blickwinkel und Auffassungen. Die BDSM-Welt ist bunt – obwohl fast alle schwarz tragen.

Und jetzt viel Spaß beim Reflektieren und Fragen stellen. Wenn ihr einen Ansprechpartner sucht, wisst ihr, wo ihr mich findet.

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1 Kommentar

  1. Danke für diesen Artikel. Im „Selbstcheck“ anhand der Unterpunkte würde ich mir 9 von 10 geben. Kein Eigenlob, eher en Anstoß zum innehalten, und die Liste nochmal selbstkritisch durchgehen.

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