Meine Perspektive: Sex beim ersten Date

Es kommt nicht selten vor, dass man sich beim ersten Date sympathisch ist und es – um ganz direkt zu sein – mächtig kribbelt. Und zwar vor allem im Schritt. Nun gibt es genügend Datingratgeber, die in diesem Fall einen Affentanz über mehrere Dates propagieren (oder wahlweise andere Spielchen). Ich habe dazu eine sehr pragmatische Meinung: Männer zeigen mitunter erst nach dem Sex ihre wahren Absichten. Ich habe die ultimativen Charmeure erlebt, die sich postkoital schneller aus dem Staub machten, als ich mein Höschen wieder anziehen konnte. Deren Charme und Interesse hätte ich, wenn ich den Sex herausgezögert hätte, sicherlich etwas länger genießen können. (Sind wir ehrlich, man fühlt sich von so etwas geschmeichelt.) Aber irgendwann wäre der Aufprall gekommen. Man hätte sich drei- bis viermal getroffen, hätte dann Sex gehabt und er wäre trotzdem schnell verschwunden.

Ich formuliere es ganz salopp: Wurde der erste Hunger gestillt, kann man entspannt beobachten, ob man es mit einem Fast Food Liebhaber oder einem Feinschmecker zu tun hat.

Promiskuität

Ein weiterer Punkt, der gegen Spielchen spricht: Es gibt genügend Männer, die die positive Einstellung zu Sex beim ersten Date so lange toll finden, bis sie begreifen, dass man dieselbe Einstellung bei anderen männlichen Geschöpfen ebenfalls an den Tag legt. (Oh Schreck, ich bin nicht ihr erster!) Ich habe für mich entschieden, dass ich längerfristige Bindungen nur zu denjenigen Männern aufbauen möchte, die mit meiner Promiskuität keine Probleme haben. Deshalb „verstelle“ ich mich nicht mehr. Ich zögere Sex nicht künstlich heraus, nur weil ich mir davon irgendetwas erhoffe. (Ja, was eigentlich? Dazu später mehr.) Wenn ich will, dann will ich. Punkt. Bei strikt monogamen Frauen, die ebenso gepolte Männer suchen, mag das wiederum anders sein.

Klarheit über eigene Bedürfnisse

Kommen wir zu diesem ominösen „Irgendetwas“, das man sich erhofft. Ich erlebe viele Frauen in meinem engeren Umfeld, für die Sex eine Art maskierter Tauschhandel ist. Sie suchen (eigentlich!) nach Intimität, guten Gesprächen, emotionalem Beistand oder jemandem, der sie auffängt, und ernten lediglich einen Typen, der sie vögelt und unbefriedigt zurücklässt. Das Ergebnis: Sie fühlen sich ausgenutzt. Ich wette, jede Frau kennt dieses Gefühl.

An dieser Stelle muss ich die unbequeme Frage stellen, warum man sich stattdessen nicht ganz ehrlich eingesteht, was man wirklich möchte und im Anschluss nach einem adäquaten Weg sucht, es zu bekommen – abseits von Sex oder einem Mann. Seinen Körper jemand anderem zur Verfügung zu stellen und zu erwarten, er kenne die ureigenen Wünsche (und erfüllt diese womöglich noch!) ist nicht romantisch, sondern naiv. Es geht mit großer Sicherheit gewaltig schief. Selbst ich tappe manchmal in die Falle, mein Selbstwertgefühl mit einem tollen Sexerlebnis pushen zu wollen. Ein Patentrezept dagegen habe ich nicht, außer zu versuchen, konsequent bei mir zu bleiben. Alle paar Wochen lege ich auch ganz bewusst eine männer- bzw. sexfreie Zeit ein. Meistens geschieht das gegen Ende des Zyklus, weil das erfahrungsgemäß die Tage sind, in denen ich ein energetisches Tief habe und mich lieber auf mich selbst konzentrieren möchte.

Mit dem Gedanken, auf den eigenen Rhythmus zu hören, geht eines meiner Mantren einher:

Man kann erst aus vollem Herzen nein zu etwas sagen, wenn man auch bedingungslos ja zu etwas sagen kann – und umgekehrt.

Ich weiß, dass es uns gesellschaftliche Vorstellungen weiblicher Sexualität nicht immer leicht machen, eine innerlich klare Einstellung zum eigenen Verlangen zu finden. Zumal dieses Verlangen mal wild, mal zurückhaltend und eigentlich total unberechenbar ist. Doch damit Männer die eigenen Bedürfnisse ernst nehmen können, muss man innerlich klar sein. Das Gegenüber spürt Ambivalenzen die eigenen Wünsche betreffend. (Mögen sie noch so subtil sein!) Ein weiterer Effekt: Sobald ich innerlich klar bin, ziehe ich automatisch ebenso klare Individuuen an.

Ich exerziere das an einer konkreten Situation: Ein Mann und ich haben einen netten Abend im Restaurant, ziehen weiter in seine Wohnung, trinken etwas Wein, küssen uns und mit einem Mal steht das Thema Sex im Raum. Jetzt muss ich wissen, was ich möchte und ich muss bereit sein, es zu äußern. Mein Nein oder mein Ja müssen aus meinem tiefsten Herzen kommen. Ich bin kein Fan davon, nein zu sagen, obwohl ich nur ein bisschen überredet werden möchte, um nach außen den Schein der guten Frau zu wahren. Das ist eine Taktik, die nicht meinem Verständnis freier und selbstbestimmter Sexualität entspricht. (Was nicht heißt, dass man dem Mann keine Gelegenheit geben darf, den Verführer zu spielen.) Ebenso sage ich nicht leichtfertig zu irgendetwas ja, um die coole und sexuell lockere Frau zu mimen. Die kurzzeitige Anerkennung, die ich dadurch möglicherweise erhalte, kann nicht das schale Gefühl aufwiegen, das ich einige Stunden später hätte.

Schlechter Sex

Gut. Ihr habt also für euch entschieden, ihr wollt Sex. Nach ein paar Minuten merkt ihr allerding, dass das, was da gerade geschieht, nicht wirklich geil ist. (Den Fall, dass der Sex total hammermäßig und mindblowing ist, lasse ich an der Stelle aus. Darüber muss man keine weiteren Worte verlieren.)

In allen anderen Fällen sind Fingerspitzengefühl und eine gute Menschenkenntnis gefragt. Die Theorie: Jeder Mensch hat freilich das Recht, Sex jederzeit abzubrechen. Die Praxis: Er ist angetrunken, geil und hat eine sehr fordernde Art an sich. Ein abrupter Rausschmiss könnte Folgen haben, die nicht absehbar sind. Meine Vorgehensweise: Tempo rausnehmen, kurz aufs Klo gehen und sich ein Glas Wasser holen. Das ist absolut legitim. Falls ihr Bedenken habt, dass er auf einen Abbruch schlecht reagiert, meldet euch unauffällig bei eurem Cover, mit dem ihr einen kurzen Code für solche Fälle vereinbart habt. Wenn ihr euch dagegen sicher mit ihm fühlt, sprecht darüber, dass euch das Setting nicht zusagt. Ich benutze gerne den Satz: „Für mich ist diese Situation/das mit uns/unser Sex/diese Praktik gerade nicht stimmig.“ Durch die Ich-Formulierung signalisiere ich ganz klar, dass es nicht an seinen sexuellen Fähigkeiten liegt (selbst wenn das stimmt). Der Satz ist respektvoll und gleichzeitig verbindlich genug. Einem aufmerksamen Mann gebe ich zugleich die Möglichkeit nachzufragen, ob es etwas gibt, damit es wieder stimmig für mich wird.

Ich muss sagen. dass ich mit dieser Art der Kommunikation keine einzige schlechte Erfahrung gemacht habe. Aber selbst die perfekteste Kommunikation schützt einen nicht vor Männern, die nichts Gutes im Sinn haben. Ein zuverlässiger Cover kann helfen, jedoch niemals zu 100 Prozent. Den Sicherheitsaspekt muss am Ende jede Frau für sich klären. Ich bin trotzdem kein Fan davon, bei jedem Date den Teufel an die Wand zu malen. Die meisten sexuellen Übergriffe passieren im näheren Umfeld.

Kenne dein Limit!

Abschließend möchte ich gerne einige Worte zum Thema Alkohol loswerden. Wir alle wissen: Alkohol enthemmt. Es ist aus meiner Sicht einer der häufigsten Gründe für schlechte Gefühle am nächsten Morgen und Schuld am Verzicht auf Safer Sex. Ich sage nichts gegen ein kleines Gläschen, um locker zu werden. Bei mir persönlich ist bei ersten Dates nach einem Glas Schluss. (Ebenso auf frivolen Partys.) Ich möchte Herrin meiner Sinne sein. Wenn ich mit Freunden unterwegs bin oder jemanden bereits gut kenne, mag das wieder anders aussehen. In allen anderen Fällen: Kenne dein Limit!

Dieser Beitrag ist jetzt unbeabsichtigt ein bisschen in die Spielverderberecke gerutscht. Liegt vielleicht daran, dass gerade wieder männerfreie Zeit ist 🙂

Ich hoffe, ihr habt trotzdem Spaß.

Happy dating (oder so)!

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1 Kommentar

  1. […] einem meiner letzten Beiträge über Sex beim ersten Date sprach ich von Klarheit über die eigenen Wünsche. Die habe ich und das hilft sehr. […]

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