Exklusivität in BDSM-Beziehungen

Exklusivität war immer eines der zentralen Themen, das mich über meine gesamte BDSM-Zeit begleitet hat. Früher hatte ich große Schwierigkeiten damit, eine Linie zu finden. Jetzt sind meine Gedanken dazu sehr klar und ich teile sie mit euch.

„Ich will, dass du mir gehörst.“

Dieser Satz löste zu meinen Anfangszeiten jedes Mal großes Herzklopfen aus. Ich schaute – wie so viele Frauen in ihren Zwanzigern – zu wenig auf die Bedingungen, die damit verknüpft waren. Denn mit Eigentum geht ein großes Maß an Verantwortung einher, das nicht jedem Dom in vollem Umfang bewusst war.

Aber: Meine Liebe, meine Hingabe, meine Erotik und mein Körper sind wertvoll. Wer all das exklusiv für sich haben möchte, muss im Gegenzug bereit sein, mir ebenfalls gewisse Dinge zuzusichern.

Diesen Satz dürfen und sollten sich gerade weibliche Subs mehrmals durchlesen.* Denn diese Haltung vermisse ich manchmal, wenn ich Einblicke in BDSM-Beziehungen bekomme. Das heißt nicht, dass ich irgendeiner Frau da draußen in die Interaktion mit ihrem Dom reinreden möchte. Aber Beziehungen funktionieren in meinen Augen nur, wenn beide den Wert des jeweils anderen kennen. Das beginnt damit, den eigenen Wert zu kennen. Erst darauf aufbauend kann ich sinnvolle Entscheidungen über die Ausgestaltung meiner Beziehungen treffen.

Weil wir uns im BDSM bewegen und die Sub sich schließlich hin-gibt, bedeutet das im Umkehrschluss nicht, dass sie alles von sich hin-geben muss. Die größten Schäden entstehen in meinen Augen nicht durch Praktiken, bei denen übertrieben wurden. Die größten Schäden entstehen auf psychischer Ebene, weil kein energetischer Austausch stattfindet, sondern nur ein Hin-geben seitens der Frau.

Skizzieren wir eine Situation, die in meinen Augen nicht selten vorkommt. Du bist eine Sub, Single und auf der Suche. Du triffst auf einen interessierten, tollen Dom, der wiederum gebunden ist – entweder verheiratet, in einer festen Beziehung oder bereits mit einer oder mehreren Subs in einer Spielbeziehung verbandelt. Im besten Fall wissen alle in diesem Kreis über die Aktivitäten des Doms Bescheid, im schlechtesten Fall läuft es heimlich ab. Und einer der ersten Themen, die dieser Dom auf den Tisch bringt, ist die Exklusivität, die er von dir erwartet.

An dieser Stelle denken leider die wenigsten Frauen eingehend über eine solche Forderung nach. Frage dich: Möchtest du das wirklich – mit allen Konsequenzen? Oder lässt du dich darauf ein, weil er so toll ist und du endlich das gefunden hast, was du suchst? Irgendwie wird es schließlich schon funktionieren, oder?

„Irgendwie“ ist ein Wort, das in Beziehungen nichts verloren hat.

Sprechen wir über die Konsequenzen. Nach Sessions passiert in der Gehirnchemie mitunter etwas, was man „Subdrop“ nennt. Das ist wie ein Kater, wenn du zu viel Alkohol getrunken hast. Diese Drops ereignen sich manchmal erst zeitversetzt. Was tust du, wenn dein Dom am Tag nach der Session mit seiner Frau in Urlaub fährt? Zu wem kannst du gehen mit deinem Unbehagen, deiner Traurigkeit und deinen Gedanken?

Stelle dir (und ihm) diese Fragen, wenn ihr über Exklusivität sprecht. Vielleicht hat er eine gute Lösung für dieses Szenario. Vielleicht nicht. Egal wie: Das sind keine Lappalien und das hat nichts damit zu tun, dass du eine dieser anhänglichen und emotionalen Frauen bist, die kein Mann haben will.

Deine Gefühle sind valide. Deine Meinung ist valide. Denn – und hier schließt sich der Kreis – du bist wertvoll.

Selbst wenn dein Dom in dem Moment sagt, deine Gefühle und deine Bedenken seien nicht angebracht. Wer muss am Ende des Tages mit den Konsequenzen leben? Du, oder? Dann gib niemand anderem die Macht, die Deutungshoheit über deine Gefühle zu haben.

Ich sage nicht, dass dein Dom dein Therapeut und dein Rundum-Sorglos-Betreuer werden muss. Jede Sub braucht andere Dinge, damit eine Beziehung für sie funktioniert und damit sie sich sicher fühlt. Diese Dinge sollte sie herausfinden und sie sollte kompetent darin werden, sie anzubringen und sich für deren Erfüllung stark zu machen.

Ich sage ebenfalls nicht, dass man nicht mit gebundenen Männern spielen soll. Aber meine Spielregeln ändern sich fundamental unter diesen Umständen. Ich mache keinen Mann zu meinem Lebensmittelpunkt, dessen eigener Lebensmittelpunkt ganz woanders liegt. Diesen Grundsatz vertrete ich, sobald das Thema Exklsuvität auf den Tisch kommt. Man könnte an dieser Stelle argumentieren, dass gerade in diesem Ungleichgewicht der Kern aller D/s-Beziehungen liegt. Das ist meiner Einschätzung nach eine sehr populäre Meinung und populäre Meinungen haben die Angewohnheit, zu ungeschriebenen Gesetzen zu werden. Und ungeschriebene Gesetze wirken auf Subs bzw. auf Anfängerinnen mitunter sehr respekteinflößend.

Diese populäre Meinung ist nicht falsch. Meinungen können per se nicht falsch sein. Aber sie wird auch nicht dadurch richtig, dass sie von vielen (gebundenen) Doms vertreten wird.

Genauso wenig ist meine Meinung zu diesem Themenkomplex richtig. Es geht mir um die Schaffung einer Diskussionsgrundlage und um neue Perspektiven. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie verzwickt solche Situationen sein können. Gerade wenn Gefühle mit im Spiel sind, kann man nicht mehr so reflektiert reagieren, wie man sich das vielleicht wünscht.

Deshalb: Denke über deine Bedingungen nach. Denke darüber nach, was du brauchst, damit deine Hin-gabe funktioniert.

Du bist zwar eine Sub, aber das heißt nicht, dass du keine Forderungen stellen darfst.

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[* Normalerweise schreibe ich meine Texte so geschlechtsneutral wie möglich. Diesen hier ganz bewusst nicht. Meiner persönlichen Einschätzung nach handelt es sich um ein Thema, das vor allem die Kombination weibliche Sub und männlicher Dom betrifft. Außerdem beziehen sich meine eigenen Erfahrungen auf genau diese Kombination. Falls ihr anders lautende Erfahrungen gemacht habt, teilt sie gerne in den Kommentaren.]

7 Kommentare

  1. Schon seit Längerem stelle ich mir die Frage wieso ein(e) Frau/Mann unbedingt die Kostbarkeiten, die sie in sich trägt, Verstand, Seele und Herz in die Hände eines dominanten Menschen legen, der darüber im Rahmen verfügen darf.

    Dabei habe ich dann immer ein Bild vor Augen: er sitzt im Unterhemd auf der Couch, während sie nackt neben ihm kniet und freut sich in seinem einfachen Denken darüber, „Gott“ zu sein. Ein „Ich bin Dein Herr, Dein Gott, Deine Welt“ Denken ist mir jedenfalls zuwider.

    Wir kommen doch nicht auf die Welt, um dieses dann als sub zu leben?

    Vorallem nicht in einer Zeit, in der Gefühle nichts mehr wert sind.

    Unsere Gefühle unsere Gedanken machen und als eigenständiges Individuum aus, dies übergibt man nicht so
    an andere Menschen, die dadurch eine Art Gott sein dürfen.

    Als Spiel, Momentaufnahme ja. Ein extravagantes Hobby, bei dem man sich körperlich und geistig verausgabt, „befriedigt“ nach Hause geht und dann ist man auch wieder ein eigenständiger Mensch.

    Zum Schluss noch die unpassende Frage: Ist eigentlich nicht die sub nicht der dominante Part?

    1. Wir kommen doch nicht auf die Welt, um dieses dann als sub zu leben?

      Ist das so? Da würden dir alle Subs dieser Welt heftig widersprechen. Ich bilde mir nicht ein, zu wissen, warum irgendjemand auf diese Welt gekommen ist. Ich maße mir ein Urteil dieser Art nicht an.

      Vorallem nicht in einer Zeit, in der Gefühle nichts mehr wert sind.

      Ich will dir nicht zu nahe treten, aber ich halte nicht viel von solchen pessimistischen Statements. In der Welt, in der ich lebe, sind Gefühle sehr wichtig. Für die Menschen, mit denen ich meine Zeit verbringe, sind Gefühle ebenfalls sehr wichtig.

      Zum Schluss noch die unpassende Frage: Ist eigentlich nicht die sub nicht der dominante Part?

      In meinen Augen nicht.

      1. Ich danke Dir für Deine Antworten und ich maße mir ebenfalls nichts an, denn vom Baum der Erkenntnis über das Leben durfte ich noch nicht naschen.

        Wenn ich mich auf Twitter umsehe, mit Menschen in Kontakt trete, dann ist es leider so, dass einige aus Selbstschutzgründen ihre Herzgefühle hinter hohen Mauern verstecken.

        Warum? Weil diese Gefühle irgendwann verletzt wurden. Weil Vertrauen missbraucht wurde…

        Daher habe ich kein pessimistisches Denken. Ganz im Gegenteil, in meinem Leben gibt es nur Licht und Wärme.

        Ich bin selbst ein offener Mensch, dem Gefühle über alles gehen. Es ist schön, wenn Du in so einer gefühlvollen Welt leben darfst.

        Da die Sub jederzeit das Spiel unterbrechen darf, ist sie letztendlich der dominante Part, welcher im Grunde nur der Reisebegleiter ist, der Erfüllungsgehilfe, aber ich kenne mich da zu wenig aus, aus diesem Grunde lese ich Dich, um meinen Horizont zu erweitern.

        1. dann ist es leider so, dass einige aus Selbstschutzgründen ihre Herzgefühle hinter hohen Mauern verstecken.

          Ja. Das mag sein. Das hat aber nichts damit zu tun, dass in unserer Zeit Gefühle nichts mehr wert sind.
          Wenn Menschen sich hinter Mauern verstecken, ist das deren Angelegenheit, in die ich mich nicht einmische. Meine Kletterausrüstung und meine Geduld sind zu mies, um mich auf den Weg über diese Mauer zu machen.

          Da die Sub jederzeit das Spiel unterbrechen darf, ist sie letztendlich der dominante Part

          Wenn du die Antwort zu kennen scheinst, warum stellst du mir dann diese Frage? Ich (als Domme) bin alles andere als eine Erfüllungsgehilfin für die Wünsche meines Sub. Dass unsere Wünsche bis zu einem gewissen Punkt kongruent sein sollten, versteht sich jedoch von selbst.

          Du bist auf der Suche nach Antworten. Ich bin der Meinung, dass du auf das, was dich am meisten beschäftigt, niemals eine Antwort finden wirst. Weil es keine gibt. Menschen sind verrückt. Sie fühlen verrückte Dinge und handeln danach. Der sicherste Weg, im Wahnsinn zu landen, ist zu versuchen, den Wahnsinn der anderen verstehen zu wollen.

  2. Das unterschreibe ich,weil die Persönlichkeit der Sub im Vordergrund stehen muß.
    Der Dom ist Dienstleister und Profitiert von ihrer Hingabe

    1. Danke für deine Sichtweise. Da ich selbst auch als Domme agiere, kann ich für mich aber ganz klar sagen: Ich bin nicht die Dienstleisterin meines Subs. Seine Persönlichkeit wird geachtet und respektiert, steht jedoch nicht im Vordergrund.

      1. Das ist ja das Schöne.
        Jeder handelt es anders.
        Sonst bräuchten wir den andern nicht beim Spielen zuschauen

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