Buchrezension: „Die Swinger-Bibel“ (und ein paar Worte zum Self-Publishing)

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf Lotta Frei gestoßen bin. Ihr Blog und ihre Themen fand ich beim ersten Durchsehen sehr interessant. Da sie noch dazu ein Buch übers Swingen geschrieben hat, dachte ich mir: Das musst du lesen.

Für mich als (mittlerweile) routinierte Swingerin hat sich das Buch eher wie der Bericht einer guten Freundin gelesen. Lotta schreibt sehr flüssig. Man folgt gerne ihren Ausführungen und zahlreichen Tipps. Ich denke, dass es gerade für Frauen, die neu auf dem Gebiet sind, viele nützliche Hinweise enthält.

Ich persönlich denke nicht, dass Swingen ein hochkomplexes Thema ist. Deshalb bin ich damals ohne Bücher oder stundenlange Netzrecherche einfach ins kalte Wasser gehüpft. (Wobei es in Clubs leider immer extrem warm ist, aber das ist ein anderes Thema.) Das muss jedoch nicht auf jeden zutreffen. Genau diesen Personen kann ich das Buch ehrlich ans Herz legen. Man fühlt sich nach dem Lesen insgesamt gut vorbereitet.

Lotta schreibt über Verhaltensregeln und Kleidungstipps, klärt über die üblichen Partymottos auf und erklärt, wie sich Männer und Frauen in dieser neuen Welt sicher zurechtfinden können. Den Geheimtipp, wie man als Mann jede Frau innerhalb von 30 Sekunden auf die Matte kriegt, sucht man vergeblich. Völlig zurecht, denn so ein Tipp existiert nicht. Nicht dass sich potenzielle Käufer da falsche Hoffnungen machen 😉

Die Autorin sieht es ähnlich wie ich: Vieles läuft über das Outfit bzw. die damit verbundene Ausstrahlung. Und wer keine Lust hat, ein paar Worte an der Bar mit mir zu wechseln, dessen Hand muss ich auf der Matte leider abweisen. (Vielleicht schreibe ich darüber mal einen gesonderten Beitrag. In manchen Clubs fällt mir das gehäuft auf.)

Es würde mich wirklich freuen, wenn sich mehr interessierte Menschen in Swingerclubs trauen würden. Dort gehen keine schlimmen Dinge vor sich, niemand wird zu irgendetwas gezwungen und selbst wenn man „nur“ ein Glas Prosecco in frivoler Atmosphäre trinkt, hat man es sich immerhin mal angeschaut. Ich weiß nicht, woher die Ängst kommen, sich in den Club zu wagen. Ich hoffe aber, dass diese nach dem Lesen von Lottas Buch verschwinden.


Als jemand, der viel mit Typographie und Gestaltung zu tun hat, fiel mir das Buch leider negativ auf. Ich nehme an, Lotta Frei ist Self-Publisherin bzw. kann in diesem Bereich nicht auf eine professionelle Ausbildung zurückgreifen, die es ihr erlaubt, die Qualität eines Druckerzeugnisses beurteilen zu können. Daher gilt meine Kritik überhaupt nicht der Autorin, sondern demjenigen, der die Texte in dem Buch gesetzt hat. Wobei von „setzen“ (wie ich es verstehe) hier eigentlich nicht die Rede sein kann.

Meine Kritikpunkte:

  • Da auf ein Grundlinienraster verzichtet wurde, scheint der versetzte Text der Folgeseiten durch. In sämtlichen Verlagspublikationen ist das ein absolutes No-go. Und zwar aus gutem Grund: Je nachdem, in welchem Licht man das Buch liest, reduziert sich die Lesbarkeit massiv.
  • Der Satzspiegel ist zumindest fragwürdig. Auf mich wirken die Seiten aufgrund der großen Abstände ungewohnt leer.
  • Insgesamt enthalten die Seiten für mich zu viel Weißraum, was auch an dem konsequenten Verzicht auf Silbentrennung liegt.
  • Auf weitere Details wie Bindestrich statt Gedankenstrich oder Rechtschreibfehler gehe ich an dieser Stelle nicht weiter ein.

Wenn das Buch nun 3,99 Euro statt 9,99 Euro gekostet hätte, würde ich solche gravierenden Mängel auf den niedrigeren Preis schieben. Aber ich zahle für dieses Buch genauso viel wie für ein Buch, das professionell gesetzt und gelayoutet wurde (und damit deutlich lesbarer ist). Das ärgert mich und der Fehler liegt meines Erachtens nach in dem System Self-Publishing. Der Auftraggeber bzw. Autor verlässt sich auf das typografische Können desjenigen, der das Buch druckt. Kaum ein Autor kann die Mängel, die ich oben beschrieben habe, selbst erkennen. Denn das ist auch nicht seine Aufgabe. Das ist die Aufgabe des Verlags, der dafür einen bestimmten Anteil des Gewinns bekommt. Die Frage, die ich mir stelle: Wo landet dieser Anteil, wenn der Preis für mich als Leser identisch mit einem professionellen Verlagserzeugnis ist?

Man mag meine Kritikpunkte an dieser Stelle für übertrieben halten. Aber da es einige Blogger gibt, die entweder schon Self-Publisher sind oder es vielleicht in Zukunft vorhaben, finde ich solche Einschätzungen von außen wichtig. Ich stehe gerne Rede und Antwort, falls jemand Fragen zu diesem Thema hat.


Anmerkung: Ich habe das Buch selbst erworben. Ich verwende keine Amazon Affiliate Links.

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